Mercedes A-Klasse W176 200 CDI Test

11.03.2013 16:58    |    Bericht erstellt von ma.bued

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Gesamtfazit zum Mercedes A-Klasse W176 200 CDI Test

Aus diesen Gründen kann ich den Mercedes A-Klasse W176 200 CDI empfehlen:

Hervoragendes Fahrzeug um allein oder zu zweit lange Strecken zu überbrücken oder sportlich über Landstraßen zu fahren und sich von der Masse abzusetzen

Aus diesen Gründen kann ich den Mercedes A-Klasse W176 200 CDI nicht empfehlen:

Die Mängel im Qualitativen und Multimedia-Bereich sind gravierend. Mein Fahrzeug war bis jetzt 4 mal mehr als einen Tag davon einmal sogar eine ganze Woche wegen Problemen mit der Parktronik, dem Soundsystem und verschiedener unangenehmer Geräusche in der Werkstatt. Hier muss dringend etwas passieren.

 

Scheinbar reagiert Mercedes auch. Laut Informationen hier aus dem Forum gibt es zum Modellwechsel einige Veränderungen. Neue Kunden werden nicht mehr gezwungen den teuren CD-Wechsler zu kaufen wenn sie das HK-Soundsystem wollen, es gibt endlich ein farbiges Display im Tacho und Probleme mit Parktronic und Soundsystem wurden behoben. Für neue Kunden schön, für mich um so ärgerlicher. Schon ein Jahr nach Erscheinen fahre ich ein veraltetes Auto.

Gesamtwertung: 3.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 3.5 von 5 möglichen Sternen
Testfahrzeug Mercedes A-Klasse W176 200 CDI
Leistung 136 PS / 100 Kw
Hubraum 1796
Aufbauart Schrägheck
Kilometerstand 10600 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 12/2012
Nutzungssituation Dienstwagen
Testdauer einige Monate
Gesamtnote von ma.bued 3.5 von 5
Gesamtwertung Mercedes A-Klasse W176 4.0 von 5

Einleitung

07. November 2013 - Da es bereits zu Bewertungen gekommen ist möchte ich den ursprünglichen Bericht nicht verändern und habe ein Fazit nach 25.000km als Kommentar mit Korrektur der Bewertung angehängt

 

Seit dem 19. Dezember 2012 bin ich nun im Besitz des A200CDI (Firmenwagen) und habe dafür meinen A3 Sportback 2.0 TDI abgegeben. Nach mittlerweile über 10.000 km, davon 5.700 in 2 Wochen auf einer Tour nach Finnland absolviert, kann ich das Fahrzeug, speziell den Langstrecken-Komfort, gut bewerten. Zwangsläufig, da zwar eine 1 1/2 Generationen auseinander aber gleiche Klasse mit ähnlichem Anspruch, vergleiche ich mit dem alten A3 8PA vor Mopf.

 

Da betrieblich ein schlichtes Auftreten gewünscht ist, ist der Mercedes ein Style geworden (kein zwei-flutiger Auspuff, wirkt für einen kleine Diesel sowieso überzogen). An Ausstattung durfte es folgendes sein:

 

Außenfarbe nachtschwarz

Alu-Felgen 17" 5-Doppel-Speichen

Innen Ledernachbildung ARTICO/Stoff schwarz

 

Licht- und Sicht-Paket

Spiegel-Paket

Flottenpaket

Audio 20 CD mit 6-fach CD-Wechsler

Becker-Map Pilot

Aktiver Park-Assistent mit Parkronic

Sitzheizung

 

Klimatisierungsautomatik THERMOTRONIC

Armlehne im Fond

4-Wege-Lordosenverstellung

TEMPOMAT mit variabler Geschwindigkeitsbegrenzung SPEEDTRONIC

Multifunktionslenkrad Leder Nappa

Komfort-Fahrwerk

Harman Kardon® Logic7® Surround-Soundsystem

Komfort-Telefonie

Bi-Xenon-Scheinwerfer

 

Als kleiner Hinweis, der zum Vergleich heran gezogene A3 hatte zusätzlich: Voll-Leder, großes Navi (RNS-E), Panorama-Schiebedach, Automatisch abblendenden Beifahrer-Spiegel (bei Mercedes nicht bestellbar)

Karosserie

2.0 von 5

Wenn man ein Auto kauft sollte man wissen worauf man sich einlässt. Bei der neuen A-Klasse sollte einem bewusst sein, dass man ein Auto kauft das in erster Linie schön aussieht. Sie hat, nach meinem Wissensstand, den kleinsten Innenraum seiner Klasse. Noch dazu schlägt sich das Design extrem negativ auf die Übersichtlichkeit nieder.

 

Innenraum

 

Man setzt sich rein und denkt erst einmal, alles ganz chic hier. Der optische Eindruck ist und bleibt auch so, abgesehen von den glänzenden Kunststoffen in der Mittelkonsole, die sich im Vergleich zur Konkurrenz aber in Grenzen halten. Auch Spaltmaße scheinen zu Passen. Also alles gut - bis man anfängt ein bisschen zu fühlen. Die Materialien sind zwar hochwertig aber schlecht montiert. Drückt man auf Rahmen der Bedieneinheit oder der Lüftungsdüsen geben diese leicht nach und knarzen. Die Befürchtungen das es auch zu Geräuschen bei der Fahrt kommt bestätigen sich dann später. Zwar nicht auf jeder Bodenwelle aber besonders bei niedrigen Temperaturen und rauem Asphalt (wie zum Beispiel durch Spikes in Finnland) knackt und knarzt es dann des öfteren. Ein Problem das, wenn man sich hier durchs Forum arbeitet, nicht nur mich betrifft. Ein häufiger Begleiter ist das knarzen von hinten, vermutlich Rücksitzbank. Oft ist auch ein Klacken aus der B-Säule zu hören und bei besonders rauem Asphalt klappert es hinter den Türverkleidungen vorn.

 

Es gibt einige Videos im Internet die besonders das Nachgeben und die dabei entstehenden Geräusche einiger Bauteile ganz gut zeigen.

 

Hier war Audi vor 8 Jahren schon deutlich weiter. Alle Bauteile im Innenraum saßen fest, nichts gab nach, nichts klapperte. Im Schnitt waren zwar weniger aufgeschäumte Kunststoffe verbaut, dafür gab es Zierleisten mit edlen Materialien und nicht nur Noppenkunststoff in Innenraum-Farbe. Warum gibt es hier nicht wie in B-Klasse und CLA Holz oder Aluminium zur Wahl?

 

Außen

 

Alle Spaltmaße stimmen, alles ist Sauber montiert und lackiert, alles ist bestens! Einzig die Hochglanz-Einfassungen der Fenster verkratzen sehr schnell.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Sehr viel Bewegungsfreiheit vorn
  • - Schlechter Einstig hinten
  • - Sitzfläche hinten zu tief - unangenehme Beinhaltung
  • - Ladefläche sehr kurz - Ski 1,64 m passen nur quer oder über Armlehne
  • - Sehr schlechte Sicht nach schräg hinten
  • - Verarbeitungs und Materialqualität im Innenraum nicht überragend
  • - Häufiges Klappern von verschiedenen Punkten

Antrieb

3.5 von 5

In den ersten Woche war ich etwas enttäuscht vom Antritt des Motors. Nachdem ich dann, kurz vor Verkauf, den alten A3 noch einmal gefahren habe musste ich den Eindruck aber revidieren. Zwar geht der alte Pumpe-Düse deutlich brachialer vor, ist aber effektiv nicht schneller.

Der Mercedes-Motor vermittelt das was man von ihm erwartet, Ruhe und Gelassenheit. Er dreht sauber durchs ganze Drehzahlband, beschleunigt und zieht durchaus gut durch. Auch die Höchstgeschwindigkeit geht mit deutlich über 210 km/h Tacho für einen 136 PS Diesel in Ordnung. Einzig der Verbrauch weiß nicht zu überzeugen. Insgesamt sind es knapp 6 l. Auf der Fahr nach Finnland, über 5000 km meist gerade und ebene Strecken mit maximal 120 km/h, hat sich die A-Klasse deutlich über 5 l genehmigt. Bei ähnlicher Fahrweise und Strecken-Profil lag der Durchschnitts-Verbrauch des A3 immer unter 5 l.

 

Nachtrag:

 

Bei besonders niedrigen Temperaturen (ab -10°) ist ein lautes seltsames Dröhnen aus dem Motorraum zu vernehmen. Mag ein Einzelfall sein, das Problem konnte aber noch nicht lokalisiert und behoben werden.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Motor zieht sauber durch
  • + Sehr gut schaltbares Getriebe
  • + Angenehme Getriebeabstufung
  • + Sehr laufruhiger Motor mit angenehm sanften Klang
  • - Verbrauch reagiert sehr empfindlich auf äußere Umstände
  • - Minimalverbrauch zu hoch

Fahrdynamik

4.0 von 5

Trotz Komfort-Fahrwerk ist die A-Klasse äußerst dynamisch. Noch nie hatte ich auf engen kurvigen Landstraßen so viel Spaß mit einem einfachen Kompaktklässler. Die Lenkung ist direkt, die Bremsen standfest und sehr effizient. Auch die Fahrsicherheit lässt nichts zu wünschen übrig. Der Mercedes fährt dem (alten) Audi buchstäblich um die Ohren und bietet dabei noch deutlich mehr Komfort, wenn auch nicht so viel wie man von einem Mercedes mit einem solchen Fahrwerk erwartet.

 

Einziger Kritikpunkt ist ein unsicheres Bremsgefühl bei hohem Autobahn-Tempo. Es ist zwar noch nie gefährlich geworden aber das Heck scheint beim Bremsen in schnell (>180) gefahrenen Autobahn-Kurven ein wenig zu drängeln. Dies mag sogar eine beabsichtigte Auslegung sein, da ein leichtes Heck auf engen Landstraßen zum leichten Übersteuern und damit Einlenken führt was das Fahrverhalten dynamischer wirken lässt.

Auch wenn ich mich nicht ganz sicher gefühlt habe glaube ich nicht das es jemals zu kritischen Situationen kommen wird. Dafür ist das ESP selbst im ausgeschalteten zustand (keine Angst nicht auf der Autobahn sonder nur im Schnee ohne Verkehr getestet) viel zu rigide.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Sehr leichtfüßig in Kurven
  • + Erreicht enorme Kurvengeschwindigkeiten

Komfort

3.5 von 5

Den Komfort kann man grundsätzlich als sehr gut beschreiben. Das Fahrwerk hält zwar nicht ganz was der Name Mercedes verspricht, ist aber trotzdem überzeugend. Die Sitze sind auch nach 1.000 km am Stück noch bequem und bieten an der Rückenlehne (leider nur da und nicht auf der Sitzfläche) ausreichend Seitenhalt. Die Sitze hinten sind grundsätzlich nicht unkomfortabel, konstruktionsbedingt kann man das Sitzen hinten aber nicht als bequem bezeichnen. Klimatisierung und Innengeräusch sind hervorragend, hier hält der Name was er verspricht.

 

Gar nicht überzeugen kann mich die Bedienung. Alle Fahrzeug-Funktionen lassen sich nur über Lenkrad-Tasten und das kleine schwarz weiß (!!!) Display im Tacho einstellen. Darunter auch die ESP-Deaktivierung, ein no go für mich.

Auch das Audio 20 ist eine einzige Enttäuschung. Die Darstellung und Menüführung ist antiquiert (nicht klassisch schlicht, sondern nicht Stand der Zeit) und das Display mies. Nicht nur die Montage (wirkt wie ein Aldi-Navi aufs Armaturenbrett geschraubt) sondern auch die Auflösung von 277 x 124 Pixeln (hier bietet jedes Aldi-Navi mehr) sind für ein Auto das 2012 erschienen ist inakzeptabel. Hier ist die Konkurrenz von Audi und BMW deutlich weiter. Fahrzeugfunktion, angefangen vom Anklappen der Spiegel bis zur Deaktivierung der Zusatz-Heizung, lassen sich über den Bordcomputer konfigurieren. Selbst die Umstellung von Winter auf Sommerzeit muss bei der A-Klasse manuell gemacht werden (Minuten genau, nicht einmal eine Stunden-Umschaltung gibt es). Auch Navigationsfunktionen und die Integration von Becker können mich nicht überzeugen. Schon die Multimedia-Lösung (bis auf Bedienung per Touch) im Kleinstwagen VW Up! finde ich deutlich umfangreicher, besser integriert und optisch besser gelöst.

 

Ausnehmen von dieser Kritik muss ich das Harman-Kardon-Soundsystem, welches mich in allen belangen überzeugt hat und das alte Bose-System im A3 übertrifft.

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Sitze auf Langstrecken sehr bequem
  • + Gute Lordosenstütze
  • + Ausreichend Restkomfort (Komfortfahrwerk)
  • + Rückenlehne bietet guten Seitenhalt
  • - Sitzfläche vorn zu schwach ausgeformt
  • - Arm-Lehnen zu niedrig - Keine bequem Haltung zum Lenkrad

Emotion

3.5 von 5

Emotional ist die A-Klasse, vielleicht sogar das emotionalste Auto seiner Klasse. Sehr sportlich gestaltet spricht sie ein ganz anderes Klientel an als bisherige Fahrzeuge der Marke. Auch wenn mich die Proportionen im Nachhinein nicht mehr ganz überzeugen empfinde ich das Auto noch immer als attraktiv. Einziges Problem an der Sache ist das Image. Hier wird "alten" Kunden vor den Kopf gestoßen und, wie oben genannt, Qualitäts- und Komfort-Ansprüche nicht eingehalten.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Hebt sich von der Masse ab
  • - Im Verhältnis Überhang vorn zu lang - hinten zu kurz
  • - Entspricht nicht dem Markenimage - Qualität zu schwach - zu wenig Komfort